Obstkisten an Designer zu vermieten
Eigene Verkaufsräume sind für angehende Designer oft viel zu teuer. Im Kreuzberger Laden Kooliaboolia können sie sich erst einmal ein oder zwei Regalfächer und Kleiderbügel mieten. Auf die Idee sind zwei Studentinnen gekommen, die - zumindest, was ihr Studium betrifft - aus einer ganz anderen Ecke kommen

Ein eigener Laden in zentraler Lage ist der große Traum angehender Designer. Doch die Miete können sie sich meist nicht leisten. Die Miete für zwei, drei Regalfächer hingegen schon. Genau das haben Nora Breme und Marie Eggemann, beide 24, erkannt und im Rahmen des Funpreneur-Wettbewerbs 2011 von profund, der Gründungsfördergesellschaft der Freien Universität, verwirklicht. Der Wettbewerb ist für Studenten in ganz Berlin ausgeschrieben, die in diesem Rahmen die Möglichkeit haben, sich als Unternehmerinnen und Unternehmer auf dem Markt zu testen. Startkapital sind fünf Euro, bis zur Präsentation der Geschäftsidee auf der Abschlussveranstaltung mit anschließender Siegerehrung sind es acht Wochen.
In dieser kurzen Zeit haben es Nora und Marie geschafft, einen Laden in Kreuzberg anzumieten, darin Obstkisten zum Regal zu stapeln und diese wiederum an 14 Designerinnen und Designer zu vermieten. Die Obstkisten waren schnell ausgebucht. Noch bis zum 27. Juni ist der Pop-up-Store in der Boppstraße 6 geöffnet, im Kooliaboolia-Laden kann man Klamotten und Accessoires von Charlotte Pulver, J. R. Viewing und anderen kaufen.

Kooliaboolia, das sind Marie Eggemann (l.) und Nora Breme (r.)
Mit Modedesign oder Marketing hatten Nora und Marie eigentlich bisher nichts zu tun: Nora studiert Englisch und Spanisch, Marie studiert Kunstgeschichte und Deutsch. Beide wollen noch in diesem Sommer mit ihrer Bachelorarbeit beginnen. “Wir wohnen seit drei Jahren in Neukölln”, sagt Marie. “Auf den Flohmärkten sehen wir jeden Sonntag, junge, angehende Designer, die sich keinen Laden leisten können. Das hat uns auf die Idee mit den Regalfächern gebracht.” Wenn die beiden ihren Bachelor-Abschluss haben, wollen sie mit Kooliaboolia weitermachen.
Schon jetzt ist ihr Laden ein Erfolg. Bisher ist es noch keinem Funpreneur-Teams aus den vergangenen elf Semestern gelungen, einen eigenen Laden aufzumachen. Ob Nora und Marie auch den Wettbewerb gewinnen, wird sich am 28. Juni auf der Abschlussveranstaltung zeigen. Übrigens: Der Name ihres Ladens, “Kooliaboolia”, hat etwas mit dem Studium der beiden zu tun: “cooliaboolia” kommt aus dem Irischen, er ist ein Slangausdruck und bedeutet “cool”.
Adresse: Kooliaboolia, Boppstraße 6, Kreuzberg
Öffnungszeiten: Mo, Mi, Do+Fr 12-20 Uhr, Di 14-20 Uhr, Sa 12-20 Uhr, bis 27.6.
Fotos: Kooliaboolia